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A LOVE Supreme

2022 Selbst Liebende brauchen dann und wann ein wenig Abstand voneinander. Und so tritt meine Malerei - my long-time love supreme - derzeit ein wenig in den Hintergrund um einem anderen, faszinieren Projekten Raum zu geben.

[Ist Kunst nicht viel mehr als Malerei?
Vielleicht ist ganz einfach Kunst meine love supreme?]

Ich glaube ganz generell ist die Motivation hinter all meinem Tun das Streben nach Selbst- und Welterkenntnis. Malerei ist ein Weg dorthin. Auf dem langen Weg von der leeren Leinwand zum vollendeten Tafelbild ist viel Raum zum Nachzudenken und um Klarheit zu gewinnen (2). Letztendlich sehe ich für mich keine andere Option. Ich bin ein spirituelles Wesen - doch wenn ich dem Autopiloten Raum lasse, werde ich mich auf Kreisbahnen bewegen und immer wieder dasselbe erhalten: eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit, meine eigene Projektion, die sich über die Realität legt (3).

2022 scheint ein Jahr zu sein, in dem ich Projekte abschließen kann, die mich lange Zeit begleitet haben. Gerade eben erst habe ich die Übersetzung der langen Abstracts meiner Abschlussarbeit in Philosophie (Jeder ist ein Künstler! Oder: Kunst als Prototyping.) ins Englische beendet. Kurz zuvor habe ich ein noch ein Langzeitprojekt abgeschlossen, an dem ich seit 2008 gearbeitet habe: no2DO, eine zeitgenössische Annäherung an das I Ging (1).

Außerdem fand vom 08. bis 15 Oktober 2022 endlich Zwischenraum Sterben statt, ein Ausstellungsrojekt, an dem ich seit 2019 habe ich zusammen mit einem Team aus Künstlern, Theologen und Medizinern gearbeitet habe (Projektwebsite: www.der-zwischenraum.de). Der Zwischenraum mit Ausstellung und Abendveranstaltungen sollte Münchner BürgerInnen die Möglichkeit bieten, sich niedrigschwellig über die Hilfen für die letzte Phase des Lebens zu informieren, nach pandemischen Verzögerungen konnten wir das Projekt 2022 endlich sehr erfolgreich realisieren.

Für das Ausstellungsprojekt Zwischenraum Sterben realisierte ich in Zusammenarbeit mit Christophe Schneider die Videoserie "An der Schwelle". Sie umfasst 21 Interviews mit einer Gesamtlaufzeit von fast 6 Stunden, in denen Haupt- und Ehrenamtliche aus der Hospiz- und Palliativarbeit (‚Palliative Care‘) zu Wort kommen. Sie berichten über ihre Tätigkeit, teilen ihre Erfahrungen und Wünsche, und gewähren den Zuschauern sehr persönliche Einblicke in ihr Tun. Details zum Projekt und Links zu den Einzelinterviews gibt es hier: An der Schwelle

In anderen meiner Ausstellungsbeiträge ging es um die kommunikative Interaktion mit Besuchern. Meine Gedanken zu diesem Thema, zu kommunikativ-künstlerischer Interaktivität, habe ich unter dem Titel Polylog: Eine gemeinschaftliche Kunstform. näher ausgeführt.

Ansonsten male ich immer noch eher wenig. Und fotografiere (Instagram) dafür mehr, collagiere (Catalyst) mache Musik, tanze. Und lasse manchmal auch einfach die Seele baumeln, Kraft schöpfen...

Horizontverschmelzung (2015 - 2021)

Liebe. Ja, die Kunst ist tatsächlich meine love supreme. Aber ich habe noch eine weitere Liebe: die Philosophie. Und die will ich 2015 auf eine solide Basis stellen und beginne zu studieren. Und bekomme sofort Heimatgefühle wegen der Inhalte. Und manchmal Befremdung wegen der kopflastigen Lebensferne.

Die Textfülle, die meine Kunst bisher umrankte, profitiert von meinem Philosophiestudium auf jeden Fall. Und auch für mein Projekt zum I Ging (1), an dem ich seit 2008 arbeite, trägt mein Studium Früchte. Zum Beispiel, indem ich das Konzept von Wu Wei - Nicht-handeln - genauer untersuche und für die westliche Denkweise erschließe: Wu Wei. Eine Annäherung. Genauso wie Wabi-Sabi, ein eng mit Japan und dem Zen-Buddhismus verbundene Konzept der Ästhetik, das man möglicherweise am treffensden als eine Art und Weise beschreiben kann, Dinge wahrzunehmen bzw. auszudrücken: Wabi-Sabi – das Zen der Dinge. Über Buddhismus und Schönheit.

Nach und nach arbeite ich mich philosophisch an all den Themen ab, die mich immer schon umtrieben. Beispielsweise das Verhältnis von Kunst und Heilung: Kunst und Heilung: Bestimmungskriterien für heilsame Kunst im therapeutischen Kontext. Eine weitere meiner Fragen lautet: Warum kann uns ein Kunstwerk berühren? Auf meiner Spurensuche stoße ich auf Empathie, unserer menschlichen Fähigkeit, zu "fühlen, was andere fühlen". Aber beschränkt sich Empathie darauf? Oder könnte es vielleicht sein, dass Empathie eine Art in beide Richtungen offener Kommunikationskanal ist? Meine in Textform gegossenen Überlegungen: Ich und Du. Über das Verhältnis von Empathie und Kunst.

Der schwierigsten Frage von allen widme ich mich schließlich in meiner Abschussarbeit: Warum beschäftigen sich Menschen überhaupt mit Kunst? Meine Antwort: Jeder ist ein Künstler! Oder: Kunst als Prototyping. Ich folge den Spuren von Beuys, argumentiere mit Modellen der psychosomatischen Medizin und plädiere schlussendlich dafür, die Unterscheidung zwischen Künstler und nicht-Künstler aufzugeben.

Denn Kunst, künstlerisches Tätigsein, birgt das Potential, Dinge, die in uns Menschen zerbrochen sind, wieder zusammenzufügen – und so als Individuen und auch als Menschheit ganzheitlich zu heilen.

My language is vibrant color and line. by Karin Ulrike Soika
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